Die Charta der Toleranz der Stadt Dessau-Roßlau ist eine in unserer Stadt entwickelte Erklärung, die unser Selbstverständnis formuliert, um ein friedliches, offenes und respektvolles Zusammenleben zu erzielen und die Debatte darüber fortzusetzen.

1. Aufklärung und Moderne leben

Im 18. und 19. Jahrhundert war Dessau ein Ort der Aufklärung. Das von Fürst Franz maßgeblich gestaltete Dessau-Wörlitzer Gartenreich hat den Ruf als Kultur- und Touristenstadt mitbegründet. Die damals besondere religiöse Toleranz wollen wir heute durch interkulturelle und interreligiöse Vermittlung weiterentwickeln. Mit dem Wirken des Bauhauses im 20. Jahrhundert wurde Dessau ein international renommierter Ort der Weltoffenheit und Moderne. Wir sind überzeugt, dass Kreativität und Innovation ganz besonders auf geistige Freiheit, Austausch, Anregung und Toleranz angewiesen sind.

2. Menschenwürde bewahren

Die Wahrung der Würde des Einzelnen und gegenseitiger Respekt sind Prinzipien, die für alle Menschen in unserer Stadt gelten. Die Missachtung anderer Menschen führt zu Verletzung, Ausgrenzung und Entwürdigung. Im Bewusstsein, dass die Bedürfnisse und Rechte von Minderheiten geschützt werden müssen, wollen wir Voraussetzungen für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in unserer Stadt schaffen. Die damit verbundenen Konflikte müssen Orte und Gelegenheiten erhalten, um fair ausgetragen zu werden. Toleranz zeichnet sich durch Offenheit aus, darf aber nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden.

3. Verantwortung übernehmen

Jede einzelne Person trägt Verantwortung dafür, wie wir in unserer Stadt zusammenleben. Dies schließt Solidarität, Respekt und Anerkennung ein für die Bedürfnisse eines jeden Menschen. Unsere Verantwortung zeigt sich in gegenseitiger Hilfe und schafft sozialen Ausgleich mit den Menschen, die Unterstützung benötigen. Hierzu zählen unter anderem alte Menschen, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen, Eingewanderte, Geflüchtete, aber auch die Schwachen, Kranken und Sterbenden.

4. Lebensqualität gestalten

Für die Qualität des Zusammenlebens und die Zufriedenheit des Einzelnen ist es wichtig, aufeinander zuzugehen und Erfahrungen auszutauschen. Mit Toleranz verbinden wir Neugier, Geduld und das Überwinden von Vorurteilen. Unsere Stadtgesellschaft braucht die Übereinkunft, dass sie gegen Diskriminierung, Gewalt, Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und jeglichen Extremismus zusammensteht. Durch ein lebendiges Miteinander wollen wir die Lebensfreude in unserer Stadt zeigen und erlebbar machen.

Dessau-Roßlau im April 2018

 

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